Grundlast messen: so findest du deinen Dauerverbrauch

Aktualisiert am . Redaktion Solarbalkon-Rechner, herausgegeben von der web-crossing GmbH, Innsbruck. Keine Rechtsberatung.

Die Grundlast ist die Leistung, die dein Haushalt ständig abnimmt, auch nachts. Du misst sie, indem du abends und nachts den Zählerstand abliest: Verbrauch in kWh geteilt durch die Stunden mal 1.000 ergibt Watt. Je höher sie ist, desto mehr Strom aus dem Balkonkraftwerk nutzt du selbst.

Was zählt zur Grundlast?

Alles, was dauernd läuft: Kühlschrank und Gefrierschrank, Router, Standby von Fernseher und Computer, Netzteile, Smart-Home-Geräte, Umwälzpumpen. Kurze Spitzen wie Wasserkocher, Herd oder Föhn gehören nicht dazu.

So misst du die Grundlast mit dem Stromzähler

  1. Abends, am besten gegen 23 Uhr, schaltest du alles aus, was nicht dauernd laufen soll: Licht, Fernseher, Computer, Backofen. Router und Kühlschrank bleiben an.
  2. Lies den Zählerstand in kWh ab (Z1) und notiere die Uhrzeit.
  3. Lies ihn am nächsten Morgen noch einmal ab (Z2), etwa gegen 5 Uhr, ohne in der Zwischenzeit Geräte eingeschaltet zu haben.
  4. Rechne:

Grundlast in Watt = (Z2 minus Z1) in kWh, geteilt durch die Stunden dazwischen, mal 1.000

Rechenbeispiel (Zahlen zur Veranschaulichung, keine Messung): Z1 = 4.312,40 kWh um 23:00, Z2 = 4.313,30 kWh um 05:00. Differenz 0,90 kWh in 6 Stunden. 0,90 geteilt durch 6 ergibt 0,15 kW, also 150 W.

Zeigt dein Zähler nur ganze kWh, verlängere die Messung, damit die Differenz größer wird. Zeigt er die aktuelle Leistung an, kannst du sie nachts direkt ablesen. Wiederhole die Messung an zwei oder drei Nächten und nimm den Mittelwert. Beachte: Ein Kühlschrank läuft nicht ununterbrochen, deshalb ist ein längerer Zeitraum genauer als ein kurzer.

Warum bestimmt die Grundlast deinen Eigenverbrauch?

Ein Balkonkraftwerk liefert tagsüber. Nutzbar ist der Strom, den du im selben Moment verbrauchst, alles andere geht unvergütet ins Netz. Die Grundlast ist der Verbrauch, der mittags sicher da ist, auch wenn niemand zu Hause ist.

Berechnung mit PVGIS-Daten für Berlin, 880 Wp senkrecht nach Süden (677 kWh nutzbar im Jahr), Haushalt mit 2.500 kWh Jahresverbrauch:

Grundlast selbst genutzt Anteil
50 W 262 kWh 39 %
100 W 354 kWh 52 %
128 W (Vorschlag des Rechners) 397 kWh 59 %
200 W 490 kWh 72 %
300 W 548 kWh 81 %

Bei gleichem Jahresverbrauch ändert sich der Eigenverbrauch von 262 auf 548 kWh, nur durch die Grundlast. Eine Grundlast von 128 W entspricht über das Jahr 1.121 kWh (128 W mal 8.784 Stunden (Referenzjahr 2020)), das sind 45 % des Verbrauchs. Die Rechnung ist ein Modell mit angenommenem Tagesverlauf. Wie das Lastprofil aufgebaut ist, steht in der Methodik.

Welchen Wert schlägt der Rechner vor?

Gibst du keine Grundlast an, setzt der Rechner sie auf 45 % des mittleren Verbrauchs. Der Mittelwert ist der Jahresverbrauch geteilt durch die Stunden des Jahres.

Jahresverbrauch Vorschlag Grundlast
1.500 kWh 77 W
2.500 kWh 128 W
4.000 kWh 205 W

Der Anteil von 45 % ist kalibriert gegen den HTW-Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin (12 Referenzpunkte, Abweichung höchstens 4 Prozentpunkte beim Eigenverbrauchsanteil). Er beschreibt einen typischen Haushalt. Ein Wert aus deiner eigenen Messung ist besser: Trage ihn im Feld “Grundlast (Watt)” ein, dann rechnet der Rechner damit.

Muss ich die Grundlast senken?

Für das Balkonkraftwerk nicht: Je mehr Dauerverbrauch mittags läuft, desto mehr vom Solarstrom nutzt du selbst (Tabelle oben). Für deine Stromrechnung insgesamt ist ein hoher Dauerverbrauch trotzdem kein Vorteil. Ob sich der Austausch eines Dauerverbrauchers lohnt, ist eine eigene Rechnung.

Welche Menge Strom dein Standort liefert, steht im Ratgeber Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk?. Wann ein Speicher den Eigenverbrauch weiter hebt, zeigt Lohnt sich ein Speicher?.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist die Grundlast im Haushalt?

Die Leistung, die dein Haushalt rund um die Uhr abnimmt, etwa durch Kühlschrank, Router und Standby-Geräte. Sie läuft auch nachts, wenn niemand etwas einschaltet, und lässt sich am Stromzähler ablesen.

Wie messe ich die Grundlast mit dem Stromzähler?

Lies abends und nach einigen Stunden in der Nacht den Zählerstand ab und notiere die Uhrzeiten. Der Verbrauch in kWh geteilt durch die Stunden und mal 1.000 ergibt die Grundlast in Watt.

Welchen Wert schlägt der Rechner für die Grundlast vor?

Ohne eigene Angabe 45 % des mittleren Verbrauchs. Bei 2.500 kWh im Jahr sind das 128 W. Der Wert stammt aus der Kalibrierung gegen den HTW-Stecker-Solar-Simulator und ist ein Vorschlag, den du mit deiner Messung überschreibst.

Wie stark beeinflusst die Grundlast den Eigenverbrauch?

Stark. In Berlin nutzt ein Haushalt mit 2.500 kWh und 880 Wp senkrecht nach Süden bei 100 W Grundlast 52 % des Balkonkraftwerk-Stroms selbst, bei 200 W 72 % und bei 300 W 81 %.